Perspektive: Bürger*innen

Barcamp_NW-Verwaltung

Die Verwaltung muss sich ändern. „Na, das ist ja mal was Neues,“ werdet ihr denken, liebe Leser. Wo es doch bekanntlich Weniges gibt, was beständiger wäre, als der selbstbeschworene Reformbedarf der Verwaltung – der davon zeugt, dass es kaum Bewegung gibt.

Drücken wir es deshalb etwas präziser aus: die Verwaltung muss ihre Anspruchsberechtigten („Stakeholder“) in den Mittelpunkt stellen. „Na, das ist…“ Ja genau, auch das ist ein Allgemeinplatz, den man kaum mehr hören will. Aber er kann trotzdem mit neuem, konkretem Inhalt gefüllt werden:

  1. Die Verwaltung hat seit Anfang der 1990er Jahre ihre Anspruchsberechtigten zu „Kunden“ umdeklariert (New Public Management). Das sollte ein Abschied vom Obrigkeitsdenken sein (ein Kunde ist ein Dienstleistungsempfänger, dessen Ansprüche auch wirklich ernst genommen werden). Ein solcher Abschied gelang auch teilweise, blieb teilweise stecken und hatte auch Kehrseiten. (Kleines aktuelles Beispiel dazu: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Wutrede-ueber-Bau-Buerokratie-Nordwolle-ist-kein-Einzelfall,wolle258.html)
  2. Kehrseite 1: Es gibt Leistungen der Verwaltung, die keine bezahlten Dienstleistungen von „Kunden“ sind. Das sind die Infrastrukturleistungen. Die gerieten tendenziell aus dem Blick, wurden teils outgesourct, teils aufgeschoben („Investitionsstau“), teils einfach ignoriert.
  3. Kehrseite 2: Es gibt weiterhin Leistungen der Verwaltung, für die auch kein Kunde an die Tür klopft, die sie aber im Rahmen ihres gesellschaftlichen Auftrags der Stabilitätsvorsorge erbringen sollte. Das ist die aufsuchende Hilfe, bei denen der öffentliche Dienst aktiv auf Bürger, Gruppen und sozial randständige Quartiere zugeht, obwohl oder gerade weil diese sich nicht von sich aus für Problemlösung stark machen oder machen können.

Thema des Barcamps ist die innere Strukturentwicklung der Verwaltung. Aber dafür braucht sie Sparringspartner von außen. Also Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, denen die Funktionsweise eines modernen Public Service nicht egal ist, sondern die mitdiskutieren und uns bei unseren Anliegen unterstützen möchten. Wie muss Verwaltung sich ändern, damit sie ein guter Partner nach außen sein kann? Viele werden es nicht sein, die dafür Energie und Zeit aufbringen möchten. Aber diese Wenigen sind uns umso wertvoller.

Was könnte es heißen, Bürger*innen in den Mittelpunkt zu stellen? Ein Wimmelbild von Peter Bauer