Die Themen und Ideen

Bislang sind die folgenden Ideen bei uns eingegangen. Wer Ideen, Fragen, Themen hat, die er gerne auf dem Barcamp diskutieren und weiterspinnen möchte, kann sie in das Kontaktformular eintragen Kontakt und an uns schicken. So kann sich schon im Vorfeld des 2. März ein Dialog zwischen den Interessent:innen anspinnen. Aber natürlich ist auf dem Barcamp auch Platz für Spontaneität und aktuelle Einfälle.

Regeln brechen

Müssen wir Regeln brechen, um den Hochschulbetrieb bzw. den Betrieb einer Kommunalverwaltung am Laufen zu halten? Können wir aus “illegalen” Handlungen von Verwaltungsmitarbeitenden lernen, wo Innovation oder Veränderung notwendig ist?

Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, einmal genau drauf zu schauen, welche Regeln gebrochen werden und warum.

Brauchen wir Start-ups?

Kann eine Verwaltung wie ein Start-Up arbeiten? Und führt dies zu einer Verwaltung, wie wir sie uns wünschen? Der Bauhof Herrenberg hat gezeigt, dass New Work, Agilität und Spaß an der Arbeit nicht illegal, sondern im engen rechtlichen Korsett einer Kommune möglich sind.

Können wir dieses Beispiel verallgemeinern?

Wie können wir die E-Akte nutzen?

Unter der Überschrift „Einführung der E-Akte“ werden gegenwärtig unzählige Projekte auf allen Ebenen und allen Branchen der Verwaltung (Bund, Länder, Städte und Gemeinden, Hochschulen, auch Kirchen und andere Körperschaften) vorangetrieben. Aber an Visionen mangelt es oft, so dass die Ergebnisse oft das alte Papierdenken oder hergekommene Windows-Strukturen widerspiegeln („alter Wein in neuen Schläuchen“).

Wie könnten Verwaltungen die dabei ausgegebenen erheblichen Summen produktiver verwenden? Was wären gute effiziente Formen der Zusammenarbeit in der Zukunft – über die Abbildung von Mitzeichnungswegen in Workflows hinaus?

Müssen wir Daseinsvorsorge neu definieren?

Vielleicht etwas höher zu den Sternen gegriffen, aber dafür steht ja auch 2033 mit im Titel: Ist es an der Zeit, den Begriff der Daseinsvorsorge noch einmal ganz neu zu fassen? Können neue (agile, New-Work- usw.) Arbeitsweisen überhaupt Erfolg haben, wenn das Ziel ihrer Arbeit beschränkt bleibt im engen Umkreis von Verwaltungszuständigkeiten, wie es die aktuelle Denkweise zulässt?

Vielleicht muss man auch einen neuen Begriff finden. Gemeint ist folgendes: ein bedeutender Teil der Gesellschaft verabschiedet sich von ihrer aktiven Mitgestaltung. Politikverdrossenheit, Demokratieskepsis, Ablehnung faktenbasierter Medien, abnehmende Wahlbeteiligung – bestimmte Milieus desintegrieren sich zunehmend. Kommen damit auf die Verwaltung als „demokratischem Betriebssystem“ andere Aufgaben zu, so etwas wie „proaktiv aufsuchende Dienstleistung“? Bei denen die Verwaltung auf die Einwohner zugeht statt abzuwarten, bis diese zu ihr kommen.

Was heißt das für den Arbeitsplatz der Zukunft? Vom Bild eines festen Sitzplatzes bleibt dann jedenfalls nicht mehr viel übrig.

Slack, MS Teams oder Aktenplan?

Viele Sachgebiete und Teams haben im vergangenen Corona-Jahr spontan Tools in Betrieb genommen, um sich aus dem Homeoffice heraus zu organisieren. Slack und Microsoft Teams sind hier nur Stichworte für solche Tools.

Aber die Erfahrungen vieler Kolleg*innen zeigen auch, dass diese Plattformen häufig schlecht skalieren. Am Anfang funktionieren sie, und dann landet man wieder im Sumpf der Unübersichtlichkeit. Welche herkömmlichen Strukturen kann man auch in der neuen digitalen Welt noch verwenden (dafür steht hier der „Aktenplan“)? Welche neuen Tools und Strukturen könnte man gut brauchen, aber welche Anforderungen muss man an sie stellen, damit sie mehr Übersicht generieren und nicht das Gegenteil?

Wie kommen wir zu mehr Ko-Dienstleistungsproduktion?

Es gibt viele Digital Labs, die Bürger in die Erarbeitung von Konzepten urbanen Lebens einbeziehen – mit Ansätzen wie Design Thinking und anderen. Das ist ein guter Anfang. Aber Beteiligung der Anspruchsberechtigten nicht nur an einzelnen Ausnahmeprojekten, sondern auch an den sie betreffenden Routineentscheidungen der Verwaltungen: ist das nicht auch ein Ziel, das mittelfristig angestrebt werden sollte?

Die innere Organisation der Verwaltung hat nämlich mit ihrer Kundenorientierung, die immer wieder propagiert wird, nicht Schritt gehalten. Solange wir uns in Silos organisieren, ohne lebendigen Austausch auch intern über Ämtergrenzen hinweg, können wir nicht nach außen, zum Kunden und Bürger hin, flexibel und bedarfs-achtsam handeln. 

Open Source Produkte

Verwaltungen investieren viel Geld in Softwareprodukte, die stellenweise als Auftragsarbeit programmiert werden. Das kann von einer kleinen bis umfangreichen Softwareanwendung gehen. Es können App sein oder weiter mögliche Produkte. Die Investitionen erfolgen mit öffentlichen finanziellen Mitteln. Jedoch der Programmcode wird nicht öffentlich zur Verfügung gestellt.

Es gibt eine Vielzahl von sehr guten Open Source Produkte. Die Weiterentwicklung erfolgt in einer großen Community. Das hat nicht nur finanzielle sondern auch sicherheitsrelevante Vorteile. Wie könnte eine stärkere Nutzung von Open Source Produkten in der Verwaltung aussehen?

Innovation Lab für die Zivilgesellschaft

Was wäre, wenn es in der Stadt ein Innovation Lab für die Zivilgesellschaft geben würde? Wie könnte das aussehen? Wären Kooperationen mit lokalen Coworking Spaces möglich? Welche Rolle kann hier die Kultur spielen? Wie könnten auch Schulen davon profitieren?

Ich möchte mich für meine Stadt/Kommune einbringen

Ich möchte mich für meine Stadt, Kommune, für mein Lebensumfeld einbringen und engagieren. Ich möchte durch mein Handeln mein Umfeld und die Lebensqualität positiv und wertvoll gestalten. Dabei möchte ich jedoch politisch neutral bleiben. Wo finde ich die thematischen Anker? Welche Möglichkeiten kann mir die Verwaltung in meiner Stadt bieten?

Megatrends und Zukunftsszenarien

Die Gestaltbarkeit von Zukunft wird in unseren Verwaltungen kaum mehr wahrgenommen. Wissenschaftlich fundierte Hinweise etwa, dass mit Pandemien zu rechnen sei, lagen seit mindestens 2012 vor – aber darum gekümmert hat sich niemand.

Es ist, als ob die Zukunft privatisiert wurde. (Ab wann das geschah – schon unter Nixon oder 1973 mit der Aufkündigung von Bretton Woods oder erst unter Thatcher und Reagan und wann das in Deutschland ankam – wäre auch sehr lohnend zu untersuchen. Sprengt aber hier den Rahmen.) Gesellschaftliche Ziele und Ideale sind persönlichen Ambitionen gewichen. Die Zukunft wurde zu etwas, was sich hauptsächlich im Privaten abspielt: Karriere- oder Urlaubsplanung, Familiengründung, Selbstoptimierung. Der Spielraum zur Zukunftsgestaltung als öffentliche Aufgabe ist geschrumpft.

Ein Anliegen für das Barcamp wäre weniger, über konkrete Megatrends zu sprechen („wie wahrscheinlich ist es, dass sich die deregulierte Expansion des Finanzsystems erneut in einem disruptiven Kollaps entlädt?“ und ähnliche Fragen). Sondern über das Sprechen über Megatrends zu sprechen: Wie lohnend ist es für Verwaltungen, die ihrer Verantwortung zur Daseinsvorsorge nachkommen möchten, sich mit Megatrends und Zukunftsszenarien zu beschäftigen? Hilft uns das, gemeinsame Verstehensräume zu schaffen?

Jenseits der Effizienz

Je unsicherer die Welt um uns herum wird, desto wichtiger ist die Frage, wer wir sein wollen. Führungsarbeit ist Visionsarbeit. Welche Vorstellungen haben wir von der Zukunft? Sicherlich gibt es eine ganze Reihe von Nachwuchsführungskräften, die einen Anspruch jenseits der Effizienz formulieren können: „Ich mache diese Arbeit, weil …. Ich bin hier, um …“. Der bestehende rechtliche Rahmen („Daseinsvorsorge“, „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ usw.) gibt uns Hinweise zum Formulieren von Visionen für Kommunen oder Bundesbehörden.

Wahrnehmen, was ist

Ein Grund für die Attraktivität der kommunalen Verwaltung ist der Bezug zu den Menschen vor Ort. Es gibt ganz konkrete Herausforderungen und wir können wahrnehmen, ob wir erfolgreich sind: Geht es dieser Familie besser? Ist dieser Schulweg sicherer?

Auf höheren Ebenen und bei abstrakteren Fragen wird das schon schwieriger: Woher wissen wir, ob ein Landeshochwasserschutzprojekt tatsächlich schützt? Woher wissen wir, ob zentrales Abi besser ist als dezentrale Prüfungen? Um effektiv zu sein, brauchen wir Feedback, je objektiver je besser. Und es sollte angemessen schnell wahrnehmbar sein, um Ursache und Wirkungen in Beziehung setzen zu können.